Seraphim

Von den Engeln der ersten Hierarchie sind die Seraphim dem Herz GOTTES mit seiner göttlichen Sonne und dem göttlichen Energiekristall am nächsten. Einer feurigen Aura vergleichbar, bilden sie einen Flammenring um die ewige Mitte. Aus dieser Anschauung heraus hat sich ihr Name entwickelt, der aus dem hebräischen Begriff "saraph" (=brennen) stammt.

Im Gegensatz zu den anderen Engelsgestalten geben die Seraphim durch ihre Flammenhülle von ihrem eigentlichen Körper nichts preis. So wie sie den unsichtbaren Gott umhüllen, so verdeckt ihr feuriges Flügelkleid den eigenen Leib. Hildegard von Bingen, die in einer ihrer Schauungen die Seraphim ebenfalls mit sehr vielen Flügeln und brennend wie Feuer erblickte, deutet diese Erscheinungsform als Ausdruck unzähliger himmlischer Geheimnisse, die der Mensch noch nicht erfassen kann und die deshalb vor ihm verhüllt werden.

Gleichzeitig verweist dieses Eingehüllt-Sein der Seraphim noch auf einen Aspekt, den Rudolf Steiner nennt. Er charakterisiert sie als Wesenheiten, "bei denen es nicht Subjekt und Objekt gibt, sondern bei denen Subjekt und Objekt zusammenfällt." Sie sagen nicht: "Außer mir sind Gegenstände, sondern: Die Welt ist, und ich bin die Welt, und die Welt ist ICH."

Die Seraphim sind einem Neugeborenen gleich, sie sind umhüllt von wärmender Liebe. Als beginnendes Leben stehen sie Gott am nächsten, wie in der Entsprechung des menschlichen Werdens das gerade geborene Kind noch durch seine Eltern geborgen ist.

Im Alten Testament bezeichnet der Begriff "saraph" jedoch auch jene glühenden Schlangen, die den Israeliten bei ihrem Zug durch die Wüste als todbringendes Strafgericht Gottes geschickt wurden. Diese Schlangen werden mit den himmlischen Seraphim gleichgesetzt, wobei die Symbolverknüpfung mit der höchsten Engelsgruppe besonders bedeutsam ist.

Das Symbol der seraphischen Schlange beinhaltet aber noch weitere Ebenen. In der klassischen indischen Yogatradition gilt die Schlange als Bild der primären Lebenskraft des Menschen, die ihren Sitz an der Basis des Rückgrats innehat und als Kundalini-Kraft bezeichnet wird. Diese repräsentiert die göttliche kosmische Energie im Körper. Aus sieben Schichten oder sieben Stärkegraden bestehend, am Grunde der Wirbelsäule liegend, gilt das "Schlangenfeuer" als eine auf der physischen Ebene manifestierten Energieform der Logoskräfte.

Diese mystischen Zusammenhänge, die zwischen der biblischen Beschreibung der Schlangen und den Kräften der Kundalini-Energie bestehen, verweisen auf die gewaltigen Kraftströme der göttlichen Liebe, die nicht nur lebensspendend wirken, sondern auch zerstörend für denjenigen sind, der sich in Hochmut und Anmaßung gegen den göttlichen Willen wendet

 

Aus dem Buch "Engel - Ihre Stimme, ihr Duft, ihr Gewand und ihr Tanz" von Jutta Ströter-Bender, Kreuz Verlag.