Schamanen/Schamanismus
Heidentum und Schamanismus
Wie jede andere Religion ebenfalls, so hat auch das Handwerk des Wicca bezüglich
seiner Herkunft und Funktion seine ganz speziellen Mythen.
Der frühe Herkunftsmythos, demzufolge Wicca seinen Ursprung in europäischen
paläolithischen Glaubensformen hatte, welche über Jahrtausende hinweg
praktiziert, bewahrt und während der
Hexenverbrennungen lediglich in den Untergrund gegangen, aber nicht verschwunden
waren, um in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts von Gerald Gardner (und
anderen) wieder erweckt zu werden, wird mittlerweile weitestgehend durch einen
neueren Mythos ersetzt.
Dieser sieht Wicca als ein hauptsächlich von mittelständischen, der weißen Rasse
angehörenden euro-amerikanischen Heiden angewandtes Schamanistisches System.
Eine weit verbreitete gedankliche Folgerung aus diesem zweiten Mythos besteht in
der Vorstellung, man könne Schamanismus in einem Lehrgang von der Dauer einer
Woche oder gar eines Wochenendes kaufen, aufnehmen und erlernen.
Margot Adler, Isaac Bonewits und andere haben die Natur dieses ersten Mythos
bereits ausführlich diskutiert.
Kulturell gesehen besteht zwischen der Gesellschaft des europäischen Cro- Magnon
und dem britischen Wicca nicht mehr Verbindung als zwischen dem Christentum und
den paläolithischen Religionen Ägyptens oder Arabiens.
Ich sollte vielleicht hinzufügen, daß der gesamte kulturelle sowie religiöse
Lebensstil eines paläolithischen Sammler- und Jägerglaubens für die meisten von
uns völlig ungeeignet ist; unsere Mahlzeiten kommen eben doch weitaus öfter von
McDonald's als von McMastodon's. Der jüngere dieser beiden Mythen (modernes
Wicca als Schamanismus) ist dem magischen Handwerk des Wicca nicht eben
zuträglich, da er die unzutreffende und widerliche Annahme fördert, die
Teilnehmer derartiger Wochenendseminare hätten eine Ausbildung erhalten, welche
ihre Fähigkeiten auf eine Ebene mit denen der eingeborenen Völker mit
schamanistischen Medizinsystemen stellt - wie etwa den Jivaro des Amazonas, den
Sioux Nord Dakotas oder den tibetanischen Bön-Lamas. Man sollte auch nicht
vergessen, daß viele heidnische Kulturen über religiöse Einweihungswege
verfügen, die nicht Schamanistisch sind, da Techniken wie das Heilen, das
Trommeln, die Visionssuche, das Arbeiten mit Krafttieren oder -pflanzen sowie
Trancen über einen ausgedehnten Zeitraum keine ausschließlich Schamanistischen
Bereiche darstellen. Es gibt viele Wege zur Erleuchtung, und nicht jeder dieser
Wege ist für jeden Schüler geeignet. So, wie nicht
jeder Mediziner Hirnchirurg werden kann oder soll, muß auch nicht
notwendigerweise jeder, der dem Wicca- Kult oder dem Neuheidentum angehört,
Nutzen aus einer schamanistischen Ausbildung ziehen können. Um die Wahrheit zu
sagen - nichts von dem Material, welches momentan im Großen und Ganzen für
Neuheiden zur Verfügung steht, erreicht auch nur im Entferntesten die
Anforderungen des Schamanismus. Der Begriff "Schamanismus" leitet sich
ursprünglich von dem Sanskritwort "sramanas" her
und bezeichnet einen Asketen oder einen Menschen, der auf irgend eine Weise
Verzicht übt. Der Begriff wurde von den Tungusen- Stämmen Asiens entlehnt,
welche ihre fähigsten Magier, Heiler, Psychologen und Spirituellen "shamans"
nannten.
Der Gedanke des Verzichts und der Askese scheint in Schamanistischen
Ausbildungs- und Einweihungssystemen von großer Bedeutung zu sein. Als
religiöses Gefüge kann der Schamanismus mit einiger Sicherheit bis 4 in die
späte Steinzeit zurückverfolgt werden (ca. um 25000 v.u.Z.) und es gibt Hinweise
darauf, daß etwas dem Schamanismus sehr Ähnliches seit etwa 250.000 Jahren vor
unserer Zeitrechnung existiert. Einige der angesehensten Reportagen zum Thema
Schamanismus sahen
die so genannten "Röntgenmalereien" (Felszeichnungen, bei welchen der Betrachter
durch den Körper der gezeichneten Person auf deren Skelett "hindurchsehen" kann
und welche die durch einen Organismus fließende Energie darstellen) oder die
einzigartige Fähigkeit der Anderswelt- Reise als Hinweis darauf. All dem zufolge
stellt Schamanismus den letztendlichen Ausdruck der Fähigkeit dar, die
physischen wie auch spirituellen Reiche miteinander zu vereinen und beiden
Welten vollständig gewachsen zu sein. So überrascht es nicht, daß der Weg zum
Schamanismus mit einem verheerenden Mangel an Harmonie - z.B. einer Erkrankung -
beginnt. Die meisten in Form eines Stammes, eines Dorfes oder einer miteinander
verbundenen Gruppe lebenden Gesellschaften kennen die Idee einer Aufspaltung
zwischen körperlichen und geistig/seelischen Krankheiten nicht. Die Verbindung
zwischen den physischen und spirituellen Anteilen einer Person ist so stark, daß
eine Beeinträchtigung eines dieser Teile - ganz gleich, ob es sich um den
körperlichen oder den seelischen handelt - auch im "anderen" Reich in
Erscheinung tritt. Ein potentieller Schamane ist oft eine Person, die eine
ernsthafte, beinahe tödlich verlaufende Krankheit durchlebt hat.
Während des Sterbeprozesses erfährt der physische Körper bestimmte Stadien,
welche von
entsprechendem seelischem Druck begleitet werden (wenn man so will, handelt es
sich hier um astrale und ätherische Begegnungen). An einem bestimmten Punkt des
Sterbeprozesses, nämlich während der Hauptkrise, werden der sterbenden Person
die Götter/spirituellen Führer/ Krafttiere eines Stammes durch Symbole und
Mythen der entsprechenden Kultur vermittelt.
Unter den Bedingungen dieser Krise, im Verlaufe welcher die Person stirbt oder
geheilt wird, erhält der Anwärter alle Informationen, die er zu seiner Heilung
benötigt, sowie gewisse mystische Techniken. (Das ist der Hauptunterschied
zwischen einem Schamanen und jemandem, der eine Nahtoderfahrung gemacht hat -
letzterer ist nicht in der Lage, das erlangte Wissen lange zu behalten oder an
andere weiterzugeben). Der Schamane kehrt auf wunderbare Weise ins Leben zurück.
(Danach verbringt er einige Zeit damit, von einem anderen Schamanen die formalen
Techniken des Schamanismus zu erlernen, um seine Ausbildung zu
vervollständigen.) Nun ist der Schamane also zurück gekommen - aber er ist nicht
mehr dieselbe Person wie vorher. Seine körperlichen Prozesse, sein Geist sowie
seine Sicht der Welt sind zerschmettert und auf neue Weise wieder in seine
Persönlichkeit eingefügt worden. Diese erste schamanistische Reise wird oft mit
dem Singen alter Legenden eingeleitet oder - wie in der Kultur der mexikanischen
Huichol-Indianer - dadurch, daß die betreffende Person die Identität eines
Gottes oder eines Ahnen annimmt, indem sie sechshundert Meilen über geheiligten,
aber ebenso realen Boden zum Land ihres
Ursprungs (das die Huichol "Wirikuta" nennen) zurücklegt. Der Anwärter durchlebt
die Legenden, da er sie aufs Neue hier auf der Erde Wirklichkeit werden läßt.
Die Huichol sind auf solche Erfahrungen und Visionen bestens vorbereitet, da sie
ihr ganzes Leben damit verbringen, den alten Erzählungen zuzuhören und mit ihren
religiösen Symbolen umzugehen. Jene, die die Reise nach Wirikuta fünf Mal
wiederholen, können ein "mara akame" werden - ein Schamane. Ein verbreitetes
Merkmal schamanistischer Einweihungen ist das Gefühl, daß sich das Fleisch des
Körpers von den Knochen löst oder ein Geist-
Ungeheuer den Körper langsam aufisst, bis von dem Anwärter nur noch ein Skelett
übrig ist. Danach wird der Körper von einem Gott oder geistigen Helfern wieder
aufgebaut, was dem Schamanen einen Körper göttlichen Ursprungs gibt. Ähnliche
Züge zeigt die rituelle Prozedur, der sich australische Aborigines unterziehen.
Sie haben den Eindruck, daß von diesem Moment an Kristalle ihre inneren Organe
ersetzen und spüren selbst während dieser qualvollen Phase der
Initiationserfahrung bereits, wie ihre Körper die Eigenschaften der Kristalle
annehmen. In vielen schamanistischen Kulturen werden Kristalle entweder als
erstarrtes Licht oder als Seelen seit langem verstorbener Schamanen betrachtet.
Mit dem Beginn der Visionssuche wird eine der folgenden Möglichkeiten eintreten:
1. Die Person stirbt aus Angst. 2. Die Person stirbt an körperlichen
Verletzungen und/oder Überdosen von Rauschmitteln. 3. Es ereignet sich keine
schamanistische Erfahrung. Die Person lebt, wird aber infolge des Drucks, den
die Seele erfahren hat, geisteskrank. 4. Die Person lebt, aber es ereignet sich
kein Einweihungserlebnis. 5. Die Person kommt als geisteskranker Schamane
zurück, der zwar die entsprechenden Fähigkeiten besitzt, aber über keine
integrierte Persönlichkeit mehr verfügt. 6. Im Augenblick der Krise erhält oder
findet die Person
diejenigen Werkzeuge oder spirituellen Helfer, die sie benötigt, um sich selbst
zu heilen. 7. Die Person steigt aus der Unterwelt zum kristallenen, blauen
Himmel hinauf - dem Wohnort der Götter - und kehrt in unsere Welt mit dem Wissen
über die Ganzheit des Universums zurück, welches mittels der Gedanken, Symbole
und Mythen der Kultur dieser Person gesehen, interpretiert und erkannt werden
kann. Der Initiant hat den Grad des Erstschamanen erreicht und somit die erste
Stufe, ab welcher man die göttliche Einzigartigkeit aller Dinge wahrnehmen kann.
Den Kriterien von Jilek zufolge kann ein Schamane von anderen religiösen
Spezialisten oder gewöhnlichen Mitgliedern heidnischer Gesellschaften anhand
folgender Kriterien unterschieden werden:
1. Eine Schamanistische Visionssuche ist von größerer Verpflichtung, längerer
Dauer und verlangt mehr
von Körper und Geist als die Visionssuche eines Laien, welche eher im Rahmen
eines Passageritus oder der Einweihung in eine spirituelle 5 SCHAMANISMUS Gruppe
stattfindet.
2. Ein wahrer Schamane hat sich einen Zugang zum kollektiven Wissen sowie zu dem
seiner Gesellschaft geschaffen. Er besitzt vollständiges Wissen über die Jagd,
das Sammeln von Pflanzen und Heilkräutern und ebenso über die Psychologie seiner
Gesellschaft. Darüber hinaus verfügt er über einen weitaus größeren Wortschatz
als die anderen Mitglieder seiner Gemeinschaft. Viele von ihnen sind neben ihrem
hauptsächlichen Beruf auch Künstler.
3. Ein Schamane erhält seine Fähigkeiten und Gaben von vielen verschiedenen
Wächter-Wesenheiten oder Göttern.
Mitglieder einer heidnischen Gruppe, welche mit schamanistischem Gedankengut
arbeiten, finden normalerweise ein oder zwei Krafttiere im Laufe ihres Lebens;
Schamanen verfügen jedoch über ein ganzes, mythisches Reich von Tieren, Pflanzen
und Naturkräften, welche sie rufen und in ihre Dienste stellen können. Aus
diesem Grunde ist ihnen ein ganzheitliches Verständnis der Mythen und
Geschichten ihrer Gesellschaft zu eigen, welches aus ihrem direkten, auf
praktischem Wege erarbeiteten Wissen entspringt.
4. Ein Schamane ist bei Bedarf in der Lage, außergewöhnliche Fähigkeiten zu
manifestieren.
Beispiele hierfür schließen Nachtsicht, perfektes körperliches
Gleichgewichtsgefühl sowie eine außergewöhnliche Sprungkraft ein; letztere wird
als praktischer Beweis ihrer Verwandtschaft mit den Vogelboten der geistigen
Welt gesehen. Des weiteren wäre hier die Fähigkeit, mit Messern jonglieren sowie
kleinere Verletzungen am eigenen Leib heilen zu können oder körperliche Härten
durchzustehen, welche die meisten Menschen verletzen oder töten würden, zu
nennen.
5. Schamanen beherrschen das göttliche Feuer der Schöpfung [was immer das auch
bedeutet; Anm. d. Übers. (Jenes Prinzip, welches die Rune FEHU bei den Germanen
symbolisiert; Anm. von Igor)].
6. Die einem Schamanen zur Verfügung stehenden Heilungstechniken sind
einzigartig und werden nicht mit anderen Heilern geteilt.
7. Ein Schamane kann zur selben Zeit SCHAMANISMUS auf verschiedenen
Realitätsebenen agieren.
8. Ein Schamane kann andere Menschen zum Zweck der Heilung in die Reiche der
Götter (oder des Himmels) führen, und nur ein Schamane ist in der Lage, eine
wandernde Seele zurückzuholen.
9. Der Schamane ergreift von seinen geistigen Helfern Besitz. Im Gegensatz zur
Besessenheit des Voodoo oder Santeria, wo der loa/orixa den Körper des Mediums
übernimmt und dessen Bewußtsein teilt, übernimmt der Schamane die körperliche
oder geistige Form seines Familiaris oder Gottes.
9. Um es kurz zu machen - der Weg eines Schamanen ist mit Gefahren und Fallen
übersät, die den
Unachtsamen schnell scheitern lassen. Der Weg von einer Nahtod-Krise zur Ekstase
erfordert Zeit, Geduld und bringt körperliche wie auch geistige Qualen. Mircea
Eliade hat beobachtet, daß Schamanen mehr als jedes andere Mitglied der
Gesellschaft leiden. Reich sind sie nur in ihrem Verständnis der ungebrochenen
Einheit des Seins. Durch ihre Fähigkeiten erleben sie diese Welt in ihrer
Ganzheit als Paradies, erfahren die Verwandtschaft mit allem Existierenden und
sind in der Lage, die Früchte ihrer Erkenntnisse auch anderen Menschen zu
bringen oder diese für einen Besuch in ihre Welt zu leiten.
Aus - wie ich hoffe - eindeutigen Gründen kann man also die geläufigen, für
Neuheiden zugänglichen Seminare nicht als wahre "Schamanistische Ausbildung"
bezeichnen. Die körperlichen, seelischen und emotionalen Wunden, die ein
schamanistischer Lehrer seinen Schülern zufügen müßte, währen illegal, tollkühn
und ganz allgemein in unserer modernen Gesellschaft nicht sehr praktisch.
Einfach ein Federstirnband über eine Mischung aus hinduistischem Tantra,
amerikanisch-indianischen Heilweisen und eine nur wenig verstandene
Wicca-Tradition zu stülpen und das Ganze dann "Schamanismus" zu nennen, ist
ungehörig den amerikanischen Ureinwohnern (und anderen) gegenüber, die etliche
Jahre ihres Lebens investiert und zahllose persönliche Härten ertragen haben, um
ihre Erleuchtung zu erlangen. Auch erinnerten mich meine Bekannten, die den
mexikanischen sowie den Stämmen der Apachen und Pima angehören daran, daß die
Nachkommen jener Menschen, die die Frauen dieser Stämme vergewaltigt, ihre
Männer getötet und ihre Kinder dazu erzogen haben, ihre eigene Religion zu
verachten, nicht erwarten sollten, daß man ihnen die Geheimnisse des
schamanistischen Universumsmodells auf einem silbernen Tablett reiche, und daß
sie kein Recht darauf hätten, an schamanistischen Zeremonien, Praktiken oder
Weisheiten teilzuhaben.
Ich glaube, daß es durchaus möglich ist, daß es eines Tages Schamanen unter den
Wiccas oder den Neuheiden geben wird. Innerhalb des euro-asiatischen Erbes
existieren einige Möglichkeiten, das Ziel "Schamanismus" zu konkretisieren. Die
schamanistischen Konzepte Europas und Asiens sind uns aufgrund des relativen
Mangels an Materialien und noch lebenden Ausübenden zwar möglicherweise weniger
gut bekannt, doch die komplette Erarbeitung der finnischen "Kalevala", des
nordischen "Havamal" oder
der Sage von Hrolf Kraki kann ebenso wie eine Auseinandersetzung mit irischer
Poesie und Legende vielfältige Zugänge zu einem europäischen Schamanismus
schaffen. Die ältesten Musikinstrumente, die wir mit diesen Wegen in
Verbindungen bringen können - wie zum Beispiel die irischen oder die der
Morrison Dancers - sind eindeutig rituell. Die Bodhran, der Bullroarer sowie
einfache Flöten erweisen sich als sehr nützlich, um veränderte
Bewußtseinszustände zu erreichen. (Aber welche Instrumente man auch immer wählt
- sie sind nur dann schamanistisch, wenn der Praktizierende die Kriterien einer
schamanistischen Einweihung erfüllt hat. Ansonsten sind diese Techniken
"heidnisch", "Stammestechniken", "europäisch" oder "Medizintechniken". Diese
stellen an sich bereits sehr schwierige und respektable Wege dar. Ich bin voller
Anerkennung für all jene, die diesen Unterschied verstanden haben und auf solche
Weise etwas von der europäischen "Medizin" zurückbringen.) Die Techniken des
alten Europas und Asiens scheinen für einen einzelnen, allein Praktizierenden
oder eine kleine Gruppe geschaffen worden zu sein.
Auf jeden Fall muß der Initiant hier den Weltenbaum bzw. die kosmische Achse
entdecken, leben
und durch sie hindurch zu einem Ort reisen, der kein Ort ist und sich in einer
zeitlosen Zeit befindet; so erkennt er die Einzigartigkeit aller Dinge. Man
sollte sich allerdings darüber im klaren sein, daß die europäischen und
asiatischen Stämme über eine räumliche, farbliche und zeitliche Wahrnehmung
verfügten, die sich von unserer modernen sehr unterschied.
Während unsere rationale und wissenschaftliche Kultur weiß, daß die Welt rund
ist, beschäftigten sich unsere Vorfahren vor siebentausend Jahren mit der
Realität des gekrümmten Raums. Während unsere Gesellschaft rektalineare Räume
benutzt, welche dann wiederum mit Objekten gefüllt werden, die über gerade
Linien und Winkel verfügen, strukturierten viele europäische und asiatische
heidnische Kulturen ihre lebendige Umgebung um die Motive der Spirale, der
Ellipse oder des Kreises. Eine Untersuchung minoischer, keltischer und weiterer
zu diesem Kreis gehörender Kunstwerke enthüllt einen erstaunlich flüssigen
künstlerischen Stil. Symbole und räumliche Konzepte, die einer heidnischen
Kultur angemessen sind, sollten auf einer täglichen und regelmäßigen Basis
erfahren werden, um auf effektive Weise mit dem Unterbewußten kommunizieren und
sich ihrer Bedeutung bewußt werden zu können. Alles in allem ermöglichen diese
Symbole und räumlichen Konzepte immerhin die Reintegration des Selbst währen der
schamanistischen Visionssuche. Anthropologen, die zehn oder mehr Jahre in einer
Stammeskultur lebten, berichteten, daß sie zwar in der Tat Dinge während der
Visionssuche sehen konnten; daß die Götter, Mythen und geistigen Helfer ihnen
jedoch im Vergleich zu den Erfahrungen, die die Ureinwohner mit diesen Konzepten
hatten, immer recht vage blieben.
ANMERKUNG: Diesen Text fanden wir im Internet, und da er uns so gut
gefiel, haben wir ihn übersetzt. Leider versäumte der Autor, seinen Namen unter
diesen Artikel zu setzen. Sollte er sich auf diesem Wege finden, möge er sich
bitte bei der Redaktion melden.